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SELK.Info Nr. 361, Januar 2011, S. 15-16
 Leuenberger Kirchengemeinschaft

 

Seit 1. November 2003: „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE); englisch: „Community of Protestant Churches in Europe“ (CPCE); französisch: „Communion d'Eglises Protestantes en Europe“ (CEPE)".

Die GEKE entstand nach zwischenkirchlichen Verhandlungen 1973 im Schweizer Tagungshaus Leuenberg (bei Basel). Gründungsdokument und ursprüngliche Namensgeberin der Gemeinschaft ist die nach dem Tagungsort „Leuenberger Konkordie (LK)" genannte Erklärung zwischen europäischen Kirchen lutherischer und reformierter Tradition.

Darin heißt es u.a.: „Mit diesen Feststellungen ist Kirchengemeinschaft erklärt. Die dieser Gemeinschaft seit dem 16. Jahrhundert entgegenstehenden Trennungen sind aufgehoben."

Zu den verhandelten theologischen Kontroversthemen zählten damals Abendmahl, Christologie und die Frage der Prädestination (Vorherbestimmung zum Heil bzw. zur Verdammnis).

Zur Methodik der LK gehört allerdings grundlegend die sprachliche, aber auch sachliche Unterscheidung zwischen „Grund und Gestalt“ bzw. „Grund und Ausdruck“ des Evangeliums, sowie die Unterscheidung von Evangelium, Glauben, Lehre und Bekenntnis. Hierbei wird vorausgesetzt, dass Übereinstimmung lediglich im „Grund“ des Evangeliums für die volle Kirchengemeinschaft nötig sei, nicht im „Ausdruck“ bzw. der „Gestalt. Zu Ausdruck und Gestalt des Evangeliums zählt die Leuenberger Methodik jedoch Lehre und Bekenntnis, während „Glauben und Evangelium“ miteinander identifiziert werden.

Zu den methodischen Prinzipien der LK gehört die Auffassung, dass Lehrgespräche über kontroverse Inhalte der verschiedenen Bekenntnisse der auf der Basis einer Übereinstimmung im „Grund des Evangeliums" bereits erklärten und praktizierten Kirchengemeinschaft e r s t  f o l g e n .

So versteht sich die GEKE ausdrücklich als eine Gemeinschaft bekenntnisverschiedener Kirchen, die jedoch aufgrund ihres gemeinsamen Verständnisses des Evangeliums miteinander in voller Kirchengemeinschaft stehen. Man spricht dabei gerne von „Einheit in versöhnter Verschiedenheit".

Die Mitgliedskirchen der GEKE, darunter lutherisch, reformiert, waldensisch und methodistisch geprägte, gewähren einander volle Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft.

Das schließt die gegenseitige Anerkennung der Ordination und die Ermöglichung der Interzelebration ein.

Die Selbständige Evangelisch- Lutherische Kirche (SELK) hält dagegen daran fest, dass eine Übereinstimmung in Lehre und Bekenntnis die V o r a u s s e t z u n g zur Feststellung und Praktizierung von Kirchengemeinschaft sei, weist die künstliche Unterscheidung zwischen „Grund" und „Ausdruck" des Evangeliums als unsachgemäß zurück und ist daher auch nicht Mitglied der GEKE.

Die Vereinigte Evangelisch- Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) war hingegen an der Gründung der GEKE vor über dreißig Jahren maßgeblich beteiligt. In ihrer Verfassung heißt es im Abschnitt I, der die „Grundbestimmungen der VELKD" formuliert in Artikel 3, Abs. 2:„Die Vereinigte Kirche wahrt und fördert zusammen mit ihren Gliedkirchen die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa – Leuenberger Kirchengemeinschaft." Faktisch hat die LK für ihre Mitgliedskirchen, also auch die Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der VELKD heute den Rang eines kirchlichen Bekenntnisses, das den historischen Bekenntnissen des 16. Jahrhunderts vor- und übergeordnet ist. So führt die EKD die LK konsequenterweise auf ihrer Internetseite auch unter den für sie geltenden Bekenntnissen auf.

Zu den 105 Mitgliedskirchen der GEKE zählen u.a. auch die Schlesische Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Tschechien, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Litauen und die Evangelisch- lutherische Kirche Lettlands, mit denen die SELK durch Partnerschaftsverträge „unterhalb der Kirchengemeinschaft" verbunden ist.

Das Sekretariat der GEKE hat seit 1. Januar 2007 seinen Sitz in Wien/Österreich beim Kirchenamt der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich. Generalsekretär ist Bischof Dr. Michael Bünker (Wien) von der österreichischen „Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses (A.B.)".

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